Gewürttee

Samstagstee [#3]

Gewürztee
Gewürztee

Es ist Samstag. Zeit mit einer Tasse Tee über die wichtigen Dinge des Strickherzens zu philosophieren.

Auf unzähligen Basaren tauchen die achso tollen handgestrickten Socken auf. Für 4 bis 8 Euro sind diese Unikate zu haben. Ihr lest richtig, es sind Unikate, Einzelstücke, jede Socke ist durch die Hand einer Strickerin gegangen. Mal ganz ehrlich, bei 4 Euro ist doch nicht mal das Material wirklich bezahlt. Okay, es ist möglich Wolle in großer Menge günstig zu bekommen, aber ganz ehrlich, welche Qualität und vor allem unter welchen Bedingung wurde dann diese Wolle erzeugt? Ich sag mal nur Museling. Aber das ist heute nicht mein Thema.

Heute geht es mir darum, dass vielfach handgefertige Dinge, unter denen auch Handstrick fällt, unter Wert verkauft wird. Wie viel Zeit brauch denn eine geübte Sockenstrickerin für ein paar einfache Socken ohne ein großartiges Muster? Zwei drei Abende – meist wird ja nicht im Akkord, sondern in der Freizeit gestrickt -, die ungeübte Strickerin auch gerne mal einen Monat. Also sagen wir mal so ca. 6 bis 12 Stunden für ein paar Socken.
Und nun?
Nun verkauft frau die Socken für 8 Euro. Bei gespendetem Material sind das also noch kein Euro für diese Arbeit pro Stunde. Und ja, es ist eine Arbeit, auch wenn frau dies mit Leidenschaft tut. Es stellt eine Wertschätzung dar.

Selbst Markensocken im Fachhandel kosten 5 bis 10 Euro oder mehr.

Warum muss dann etwas Handgestricktes diesen Preis noch unterbieten?

Nein, keiner kann mir sagen, dass es ja niemanden gibt, der den gerechtfertigten Preis zahlt. Nur solange es noch genügend Menschen gibt, die meinen, dass es ja keinen Markt für diese Preisbildung gibt, solange wird das Stricken auch nur belächelt werden.

Oh ja, ich glaube durchaus, dass es da einen Zusammenhang gibt. Häufig wird frau als Strickerin ja nur abgetan und bekommt so Floskeln wie „Ich habe für so was keine Zeit.“ oder „Also ich hab wichtigeres zu tun, als mit den Nadeln zu klappern.“ an den Kopf geworfen. Warum wohl? Weil sie sich selbst unter Wert verkauft. Ganz ehrlich, wer macht denn gerade in dem Bereich vor allem mit Häkelmützen Karriere?
Junge Männer, die ihre Möglichkeiten und Chancen erkannt haben. Sie haben erkannt, dass man durch gute Darstellung auch etwas verdienen kann. Sie zeigen uns Frauen, was möglich ist. Sie zeigen, dass Häkeln gesellschaftsfähig ist und es nicht nur eins der vielen belächelten Hobbies sein muss. Es kann etwas hippes sein, etwas, mit dem Frau oder Mann sich auch darstellen kann.

„Hey, ich kann Unikate erstellen! Ich fertige mir individuelle Accessoires und Kleidung!“

Und genau so ist es auch möglich dafür einzutreten, dass frau auf einem Basar oder Markt für hippe Socken auch mehr verlangen kann. Zum einen halten selbstgestrickte Socken aus hochwertiger Wolle sehr viel besser. Sie wärmen, was Socken mit hohem Polyanteil bei mir nicht können. Und vor allem, sie sind einmalig. Es gibt kein paar handgestrickte Socken, dass genauso ist, wie ein anderes. Und mit einem kleinen Label verleiht ihr ihnen einen Boutique-Charakter.

Und wenn jemand meint, dass er oder sie den Preis nicht zahlen könne, so kann ihr oder ihm immer noch angeboten werden, es zusammen zu versuchen, eine Socke zu stricken und mit dem Virus zu infizieren.

Geht raus in die Welt und zeigt was ihr könnt, zeigt, dass gute Arbeit auch Lohn verdient, stellt euer Licht nicht unterm Scheffel.
Arbeit, die schon von einem selber als nichts Wert erachtet wird, kann von anderen nur belächelt werden, oder?

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