Samstagstee
Samstagstee

Heute ist wieder Samstag und es gibt Tee. Tee mit Milch. Und ja, ich mag es edel. Damit hab ich die passende Überleitung zu meinem heutigen Thema.

Wollsnobismus – ein nettes Wort. Ich glaube ja, ich bin da ein bisschen eigen. Noch stricke ich eigentlich nicht wirklich lange. Also vier Jahre halte ich für eine noch sehr überschaubare Zeit. In dieser Zeit hat sich aber mein Wollgeschmack sehr geändert. Und ja, ich gebe es offen und ehrlich zu, ich bin ein Wollsnob.

Wenn ich von Angeboten in diversen Discountern lese, dann frage ich mich, wie kriegen die denn den Kampfpreis hin. Wenn ich mir dann die Zusammensetzung anschaue, denke ich, jup, schon klar. Wobei es teilweise auch die Qualität der Rohwolle ist, die einfach eine andere ist. Es gibt nur wenig Sockenwollen zu einem erschwinglichen Preis, die so gut wie gar nicht kratzen.

Zum Thema Bestandteile von Kleidung hat Quarks & Co  einen sehr guten Beitrag verfasst. Einiges war auch für mich neu, anderes löste einen Aha-Effekt aus. So ist Polyacryl der Wollfaser sehr ähnlich in der Haptik, Polyamid hingegen ist eher eine glatte Kunstfaser. Beide werden aus Erdöl hergestellt, Viskose aus Zellulose hergestellt. Also auch mit sehr viel Chemie behandelt, damit es überhaupt eine Faser wird.
Ich bin mir bewusst, dass ich ohne Chemie auch bei der Wollverarbeitung nicht auskomme. Ganz ehrlich, ich bin froh, wenn ich die Socken einfach in der Waschmaschine ihre Runden drehen lassen kann und sie nachher wieder sauber herauskommen. Mir ist klar, dass ich das mit reiner Wolle nicht tun kann. Dafür hat Wolle einfach zu filzende Eigenschaften. Deswegen überlege ich mir schon sehr genau, wozu und für wen ich welche Wolle verarbeite.
Bei Babygestrick ist es nun einmal wichtig, dass die Wäsche waschbar ist und das ggf. Spuckflecken gut rausgehen. Da nützt es nichts, wenn ich hochwertige Alpaca-Wolle verstricke. In dem Moment reicht die einfache Industrie-Sockenwolle vollkommen aus. Und es ist auch gut so. Nichts ist in meinen Augen schlimmer, als wenn die Sachen nicht getragen werden, weil die Mama Angst hat, dass die Sachen nicht sauber werden. Und Kinder sind nun einmal Dreckspatzen.

Aber ich schweife ab. Ich wollte doch einfach nur mal erzählen, warum ich gerne Wollsnob bin. Ich verstricke im Jahr so um die 15 bis 20 km Wolle. Dabei verwende ich sehr viel Zeit auf, um das Gestrick herzustellen. Ich liebe stricken und fühle mich sehr wohl. Ich versuche auch so nach und nach meine Gardarobe um einige Kleidungsteile zu erweitern. Und wenn ich mir schon so viel Zeit nehme, für mich etwas selbst herzustellen, dann nutze ich auch gute Materialien. Es muss ja nun nicht Yak sein, aber ich liebe reine Naturfasern. Ich habe beispielsweise bisher zweimal Leinen verstrickt. Einmal Industriewolle mit einem Anteil daran und ich muss sagen, die Wolle fühlte sich schon arg nach Paketschnur an. Nun habe ich letztes Jahr von Isagar das Merlin verstrickt. Ich habe anhand der Haptik des Garns so nicht diesen typischen rauhen Leinen griff spüren können. Es war einfach ein sehr angenehmes Verstricken.
Also allein bei der Verarbeitung ist es für mich angenehmer, auf höherpreisige und qualitativ hochwertigere Garne zu setzen.

Aber auch beim Tragen der Wolle ist es toll. Der Wärmeaustausch ist einfach sehr viel besser. Auch wenn sich Polyacryl sehr flauschig anfühlt, so friere ich doch eher darin. Bei einem schönen Wollpulli ist mir dies noch nicht passiert. Da ist es doch häufig so, dass mir genau richtig warm ist, weil, wenn ich die richtigen Materialien verwende, so ist solch ein Teil auch gern themperaturausgleichend. Deswegen kann ich auch die Aussage

„In so nem Pullover schwitze ich doch immer so“

überhaupt nicht nachvollziehen. Dann war wohl die Materialwahl nicht korrekt.

Und ja, das kostet meist auch ein bisschen mehr, aber nur im ersten Moment. Zum einen ist die Lauflänge der Garne sehr gut, so dass frau gar nicht so eine große Menge benötigt. Und wenn frau vom Stricken damit länger etwas haben möchte, dann muss sie halt mal ein oder zwei Oberteile stricken. Das dauert dann ein bisschen länger wie ein paar Socken, aber seien wir mal ehrlich. Damit kann frau doch auch angeben, oder? Damit kann frau doch raus und bewundert werden und gefragt werden, wo sie denn dieses tolle Kleid gekauft habe. Und dann reicht doch als Antwort, dass das eine Maßanfertigung gewesen und ein Einzelstück ist, oder?

 

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4 thoughts on “Samstagstee [#2]”

  1. Guten Morgen, wenn wir viel Arbeit in ein Projekt stecken, dann lohnt es sich allemal, gutes Material zu kaufen. Sockenwolle, die hunderprozentig nicht kratzt und super lange hält ist Fröhlich Blauband. Die gibts schon ewig, die schönsten Farben in uni. lg Regula

    1. Hallo Regula,

      ja, da kann ich dir nur zustimmen.
      Die Wolle Blauband von Fröhlich kenn ich noch gar nicht. Nach ein paar Recherchen habe ich festgestellt, dass diese so gut wie nur in der Schweiz erhältlich ist.
      Von den Bildern her erinnert sich mich ein wenig an die Arwetta.

      Viele Grüße
      Jana

  2. Guten Morgen Jana,

    ich setze mich mal zu deinem Tee mit einer Tasse Schokolade dazu. 🙂

    Die Antwort “ Und dann reicht doch als Antwort, dass das eine Maßanfertigung gewesen und ein Einzelstück ist, oder?“ werde ich mir gut merken. 🙂 Denn da sagt jeder wow, wenn ich sage „selber gemacht“ dann ist das schon wieder eine Abwertung.

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag. Genieße deinen Tee.

    Herzliche Grüße,
    Barbara

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