Textilverordnung und das deutsche Abmahnwesen

Es ist immer wieder interessant, was so eine Verordnung aus Brüssel in Deutschland anrichten kann.

So wurden noch vor in Kraft treten der EU-Verordnung 34 deutsche Onlineshops, die Wolle führen, mit Hinweis auf das Textilgesetz von 1968 und die EU-Verordnung vom 18.Oktober 2011 abgemahnt.

Das wirklich interessante dabei, so finde ich, ist, dass die Verordnung und das bisher gültige Gesetz gar nicht so unterschiedlich sind. In beiden wird unter anderem festgelegt, wie Textilien zu kennzeichnen sind. Um täuschenden Wortschöpfungen vorzubeugen gibt es eine klare Definition, welche Wörter bei der Deklaration der Zusammensetzung des Textils erlaubt sind. Dabei geht es vor allem darum, Begriffen wie Kunstseide oder ähnlichem den Boden zu entziehen und die Dinge so zu deklarieren, wie sie nun einmal beschaffen sind. So ist Kunstseide nichts anderes wie glänzender Polyester. Aber mal ganz ehrlich. Kunstseide hört sich doch irgendwie … edel an, oder?
Es ist schon besser, wenn ein Wollmantel sich nur Wollmantel nennen darf, wenn da auch Wolle drin ist, oder?

Tja, und nun? Was hat das nun mit uns WollverarbeiterInnen zu tun? Nicht wirklich so viel, eher haben bisher die Wollhersteller es nicht geschafft, sich an das Gesetz zu halten. Da steht drin, dass es halt nur die und die Wörter gibt, die zur Deklaration der Zusammensetzung der Wolle benutzt werden dürfen. Und nun ist es wiederum amtlich, dass Wolle, egal welche, die geschoren wird, nun einmal Schurwolle ist. Es ist keine Merinowolle und auch keine Mohairwolle, es ist schlicht und einfach Schurwolle.
So verstößt derzeit jede Banderole, auf der 100% Merinowolle steht, gegen geltendes Recht.
Leidtragende sind in diesem Fall leider die Online-Shops, die Anfang Mai 2012 von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs abgemahnt worden sind.
Zum anderen müssen sich nun die Garnhersteller Gedanken machen, wie sie ihre besonders wertvollen Garne beschriften. Ich denke nicht, was einige befürchten, dass wir weniger Informationen über die Wolle erhalten werden. Eher vermute ich, dass die Hersteller da schon Wege finden, eben Merinowolle & Co entsprechend anzupreisen.

Und die Hersteller sollten mal sehen, dass sie Lobbyarbeit betreiben und darauf hinarbeiten, den Katalog der Begriffe für die Deklaration von Textilien und Garne erweitern zu lassen um Abstufungen in der Qualität von Schurwolle.

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Ein Gedanke zum Beitrag “Textilverordnung und das deutsche Abmahnwesen”

  1. Als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal von dem Thema gelesen habe, dachte ich auch erst: Holla, was für eine blödsinnige Einschränkung. Aber an sich bin ich da auch deiner Meinung: Die Kunden zusätzlich zum vorgeschriebenen Label darüber zu informieren, was für besondere Wolle sie in Händen halten, wird durch die Neuregelung ja wohl nicht verboten werden …

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