Sonntag morgen und ich sitze gemütlich aufm Sofa und schmöcker im Netz. Blogreader sind eine tolle Erfindung. So muss ich nicht jeden Blog einzeln besuchen, um zu erfahren, ob es etwas Neues zum Lesen gibt.

Heute morgen bin ich bei Frau Crafteln hängen geblieben. Sie hatte ihren Vortrag vom letzten Jahr verlinkt. Meine Leute lagen noch alle im Bett, also hab ich mir die Zeit nehmen können und dem Vortrag aufmerksam gelauscht.

Und nun sitz ich hier aufm Sofa. Mittlerweile wird es draußen schon wieder dunkel, aber der Vortrag arbeitet noch in mir.

Eine Frage, die derzeit nun in mir rumgeistert ist: Wie haben meine Hobbies mich verändert?

Ich würde sagen, enorm.

So habe ich nach einem persönlichen Schicksal angefangen zu schreiben. Die Anonymität des Internetes hat es mir auch ermöglicht, Feedback dazu zu erhalten. Aber es ist doch vor allem etwas nicht wirklich Greifbares. Ich habe einige Jahre lang immer wieder kleine Geschichten angefangen, einige auch beendet. Die Ideen waren da und doch fehlte mir da das Durchhalten bis zum Ende. Aber ich habe gelernt, wie ich Texte formuliere, wie Webseiten aufgebaut werden, wie frau sich im Internet zurecht findet und so vieles mehr.

Mehr durch Zufall bin ich wieder ans Stricken gekommen. Dabei habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich es sehr gerne mache. Etwas mit den eigenen Händen herstellen und im Anschluss auch in den Händen halten zu können. Fast automatisch habe ich dabei auch angefangen, mich mit den Materialien auseinanderzusetzen. Mein Wissen wie Rohstoffe verarbeitet und Kleidung hergestellt werden hat sich sehr erweitert und wirkt sich natürlich auf mein Kaufverhalten aus. Früher wußte ich zwar, dass Kleidung T-Shirts sich gerne verziehen und einiges auch nach dem ersten Waschen einläuft. Nun weiß ich auch, warum das so ist und kann beim Kauf schon darauf achten.

Und nachdem ich nun mehr über Materialien und Herrstellung wusste und mir schon Kleidung strickte, war es nur noch ein kleiner Schritt an die Nähmaschine. Ich habe zwar auch schon fünf Jahre zuvor genäht. Damals war es nur eine Beschäftigung während der Elternzeit, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Wie Meike es so schön im Vortrag sagte, ich nähte vor allem Kinderkleidung. Okay, das ein oder andere Teil für mich ist auch dabei entstanden, aber es war bei weitem keine Leidenschaft, wie es sie nun geworden ist.

Wenn ich so zurück denke, ist es wohl Wichtig gewesen, den Umweg über das Stricken zu gehen, um ein Grundverständnis für das Material zu bekommen. Früher habe ich den Stoff gekauft, der im Schnitt erwähnt wurde. Jetzt versuche ich, das Material bewusst auszuwählen, das zu mir passt. Ich bin immer noch am Anfang beim Nähen. Aber mir ist es nun wichtig, dass ich Kleidung nähe, die zu mir passt. Ich denke, wir kennen es alle, wenn wir im Geschäft ein Kleid sehen, das uns gefällt, so gibt es immer einen oder mehrere Makel, die uns vom Kauf abhalten. Sei es, dass der Schnitt nicht zu uns passt, aber der Stoff toll ist, oder das Muster nicht zum Typ passt. Klar, hin und wieder gibt es ein Teil, das uns sowohl steht, also auch passt. Aber da sind eher die Perlen, die frau selten findet.

Ich trage selbstgefertigete Kleidung auch mit einem ganz anderen Selbstverständnis. Die Schultern sind sehr viel gerader, die Haltung ist aufrechter. Zum einen fühle ich mich wohl, zum anderen weiß ich, dass ich mir das Kleidungsstück auf den Leib geschneidert habe und es mich so darstellt, wie ich bin. Ich habe schon als Jugendliche und junge Erwachsene gerne Rock getragen, aber meistens waren Hosen ja bequemer. Doch nun kann ich mir die Röcke und Kleider so nähen, dass ich mich einfach nur noch wohl darin fühle. Ich gebe es zu, nicht jedes genähte Kleidungsgstück passt auf Anhieb. Ich maße mir nicht an, perfekt zu sein. Dazu nähe ich noch nicht lange genug Kleidung für mich. Aber ich definiere mich zum Teil darüber. Für mich ist es wichtig, dem Mainstream der Mode zu entfliehen. Ich möchte Farben und Stoffe Tragen, die mir stehen und in denen ich mich wohl fühle. Nur weil die Modeindustrie der Meinung ist, Pasteltöne sind der Hit, so heißt das noch lange nicht, dass ich mich darin wohl fühlen muss, zumal ich darin sehr käsig aussehe.

Aber dieser bewusste Umgang mit Ressourcen, dem Auseinandersetzen mit der Herstellung und der Verarbeitung bleibt nicht nur dem Hobby vorbehalten. Natürlich verändert sich damit auch der Blickwinkel in den anderen Bereichen des Lebens. Aber da ich auch nur ein Mensch bin, schaffe ich es trotzdem nicht immer meinen Ansprüchen in allen Bereichen meines Lebens gerecht zu werden.

Aber auch nochmal zurück zu kommen auf meinen Blog. Ich hatte zu Beginn meines Bloggerlebens natürlich den Anspruch, viel gelesen zu werden und Kommentare zu bekommen. Vor gut zwei Jahren habe ich mich auch sehr damit auseinander gesetzt, was notwendig ist, um Besucher zu bekommen. Eine zeitlang habe ich auch versucht, diesse Regeln zu beachten. Aber es passte nicht wirklich zu mir.

Wie sagte Meike? Jeden Mittwoch zeigen sich meist Frauen in ihrer selbstgenähter Kleidung. Und sie stehen dazu sie selbst zu sein. Das war mir bei meinen Fotos und Beiträgen auch immer wichtig, ohne mich zu verstecken und seien es Sterne. Ja, es gehört einiges an Selbstbewusstesein dazu, aber es gehört genauso viel Selbstbewusstsein dazu, diese Kleidung jeden Tag zu tragen und sich der direkten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Auch wenn ich noch kein Nähnerd bin, wie Meike sich bezeichnet, so möchte ich ich mich gerne auf den Weg begeben, ein Nähnerd zu werden.

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Ein Gedanke zu “Sonntagsgedanken”

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