Samstagstee
Samstagstee

Es ist Samstag, die Sonne scheint, der Tee ist noch heiß, also lass ich euch an meinen Gedanken teilhaben.

Schon seit längerem geistert die Frage „Was erwarte ich von einer Anleitung?“ in meinem Kopf herum.

Im Grunde ist diese Frage sehr einfach zu beantworten, oder?
Ich erwarte von einer Anleitung, dass ich in ihre alle Informationen finde, um das Muster zu stricken.

Die Grundlagen und spezielle Maschen

Aber da geht es schon los. Was bedeutet das für jeden einzelnen?

Ganz klar erwarte ich nicht, dass jede Masche einzeln beschrieben ist oder die Grundmaschen erklärt werden. Das zähle ich als Basiswissen. Außer es ist eine Anleitung explizit für Anfänger.

Werden jedoch spezielle Abnahmen oder Zunahmen verwendet, so sollte in der Anleitung eine schriftliche Erklärung oder bebilderte Beschreibung zu finden sein. Gerade bei speziellen Techniken, wie dem Ausarbeiten einer nahtlosen Schulter oder ähnlichem erwarte ich eine ausführliche Erklärung, sei es in der Anleitung selbst oder als Anhang. Ich habe nun nicht immer die Möglichkeit beim Stricken online zu gehen und daher sehe ich Links zu Videos oder Tutorials als Unterstützung, aber nicht als einzige Möglichkeit an. Es ist sehr frustrierend, wenn ich unterwegs bin und da feststellen muss, dass ich nicht weiter komme, weil mir das Wissen fehlt.

Die Informationen

Daher erwarte ich grundsätzliche Informationen am Anfang einer Anleitung wie eben jene Stricktechniken sowie Garnstärke und -menge, Maschenprobe und Nadelstärke notwendig sind am Anfang einer Anleitung.

Wobei es auch sehr hilfreich ist, über die Techniken schon vor dem Kauf Bescheid zu wissen. Zu wissen, ob ich in der Lage sein werde, direkt loszulegen, oder ob ich mich erst noch mir das ein oder andere anschauen muss oder ob ich Lust habe, verschränkte Maschen die ganze Zeit zu stricken.

Bei einem Anleitungsbuch ist das nicht so tragisch, aber wenn ich einzelne Anleitungen kaufe, so möchte ich das Geld ungern in den Sand setzen.

Wichtig sind mir auch Bilder von dem Gestrick am lebenden Objekt. Das klingt jetzt etwas abgehoben, aber ich persönlich kann mir es einfach besser vorstellen, wenn ein Pullover an einer Person zu sehen ist, zu sehen, wie die Ärmel falten werfen, zu sehen, wie das Tuch um den Hals drapiert werden kann.

Ebenso finde ich eine Schnittzeichnung mit Maßangaben, auf der gegebenenfalls sogar zu sehen ist, von wo nach wo gestrickt wird, unverzichtbar. Klar gibt es bei Dreieckstüchern nicht viel zu überlegen, aber bei Pullovern oder Jacken mit Taillierung ist das schon wieder etwas anders.

So kann ich mir eventuell überlegen, wo ich eine Anpassung vornehmen muss.

Sollte es besonders schwierige Bereiche beim Stricken geben, so ist ein Detailfoto wünschenswert.

Ob nun Chart oder eine ausgeschriebene Anleitung, da denke ich, ist es eine Geschmackssache. Ich kann mittlerweile nach beiden Arbeiten und denke, es ist manchmal auch das Muster, das eine gewisse Darlegung fordert. So freue ich mich über Anleitungen, die beide Möglichkeiten bieten, so dass ich nach meinem Empfinden entscheiden kann, welche Art ich in dem Moment nutze.

Wichtig ist aber für beide Arten die Erklärung der Zeichen beziehungsweise der Abkürzungen. Also welche Art der Masche zu stricken ist. Zwar hat sich ein gewisser Standard bewährt (re für rechte Maschen und li für linke Maschen), aber es scheint dennoch so zu sein, dass jeder Designer einzelne Maschen anders abkürzt.

Ganz spannend finde ich ja immer, wenn die Anleitungen spezielle Namen haben, was sich hinter der Namensgebung verbirgt. Ich mag es, wenigstens zum Teil am Entstehungsprozess einer Anleitung teilhaben zu können, daher mag ich die Geschichten dahinter. Häufig sind sie eine gute Einleitung in meinen Augen.

Und zu guter Letzt möchte ich natürlich wissen, wer die Anleitung verfasst hat und wo ich mich mit Verständnisproblemen oder ähnlichem hinwenden kann, sei es ein Forum, eine Webseite oder sogar eine Emailadresse.

Sollte es eventuell um eine neuere Version handeln, in der Fehler bereinigt worden sind, so ist es in meinen Augen nur korrekt, wenn es da steht, dass es sich um eine neuere Version handelt und von welchem Datum sie ist.

Layout

Nun kommen wir zum schwierigsten Part. Wie soll die Anleitung aussehen? Ob Quer- oder Hochformat, das kommt darauf an.

Große Charts für Tücher sind häufig im Querformat besser lesbar. Angenehm finde ich, wenn diese Charts unterteilt sind, so dass ich auch ohne Zeilenmarkierung mich schnell zurecht finde. Dabei unerlässlich ist in meinen Augen die Zeilenanzahl am Rand. Wiederholungen im Muster sollten sinnvoll zusammen gefasst werden. Mehrere Mustersätze hintereinander, die immer nur über drei Maschen gehen, sind für mich schwer lesbar.

Im Hochformat im Text können lange Zeilen auch hinderlich sein. Wenn das Muster nicht gerade über eine DIN A4 Seite hinausgeht, mag es in Ordnung sein, nur eine Spalte zu verwenden. Da kann ich damit auch umgehen, ansonsten finde ich zwei Spalten im Hochformat besser. Im Querformat sind drei Spalten auch durchaus realisierbar. Allerdings sollte dann bei der Spaltenformatierung darauf geachtet werden, dass die Strick-Reihen nicht zu sehr gestückelt sind. Also entweder auf eine Spalte verzichten oder die Schrift verkleinern.

In einer reinen Textanleitung helfen Bilder die Anleitung aufzulockern und mir fällt es auch leichter, mich auf der Seite zurechtzufinden, wenn ich den Blick immer wieder zwischen Strickstück und Anleitung hin und her wenden muss. Dabei sollten die Bilder auf den unterschiedlichen Seiten auch unterschiedlich angeordnet sein. Damit finde ich die Seite schneller wieder, auf der ich mich im Moment mit meinem Gestrick befinde.

Die Schrift selbst sollte gut lesbar sein. So toll Schreibschriften auch aussehen, so ist es mühsam, ihnen über einen längeren Zeitraum zu folgen. Und wie schon beschrieben, möchte ich schnell wieder die Stelle wiederfinden, an der ich gerade bin, wenn ich hin und her blicke. Daher sollte die Schrift auch nicht zu klein gewählt sein.

Ich lese die Anleitungen häufig am Tablet, daher sind farbige Markierungen nicht so tragisch, wenn ich jedoch mir eine Anleitung ausdrucke, wird es schwierig. Ich habe nun mal nur einen Schwarz-Weiß-Laserdrucker zur Verfügung.
Daher finde ich bei Unterstützung der Muster mit Farbe im Chart einen klaren Rahmen sehr viel besser. Die Anzahl der Wiederholungen sollte dann unterhalb dieses Rahmens stehen, damit ich das besser zuordnen kann.
Eine Angabe, wo ich Perlen einstricken kann wird da schon schwieriger. Vor allem, wenn es verschiedene Variationen gibt. Aber im Normalfall sollte ein B (Beads) in der Strickschrift ausreichen.

Fazit

Nun, das waren eine Menge Anforderungen, die ich so habe. Ich hoffe immer, dass ein Großteil davon erfüllt ist, aber einen wirklichen Einfluss habe ich nicht darauf. Maximal bei einem Teststrick kann ich der Designerin Hinweise geben.

Wenn ich allerdings mit einer Anleitung so überhaupt nicht zurecht komme und auch bei Nachfragen entweder keine oder nur abweisende Antworten bekomme, war es dass dann häufig mit Mustern von diesem/r Designer/in. Jedoch ist mir das noch nie passiert.

Ich würde mir wünschen, dass manche Verlage sich ein Beispiel an dem Aufbau von Anleitungen von freien DesignerInnen, die genau auf die genannten Anforderungen von mir eingehen.

Was ist mit euch, was nervt euch an Anleitungen? Was findet ihr gut? Mit was kommt ihr gar nicht zurecht? Was ist für euch ein Muss?

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